Seid dabei bei der Veranstaltung “Gemeinsam für Flüsse” am 18. September 2026 in Goleniów, Polen.
Gemeinsam mit Partnern bringen wir eine Art zurück, deren Anwesenheit das gesamte Flussökosystem schützt. Und wir arbeiten an der Renaturierung weiterer Flüsse in Westpommern.

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts schwamm der Baltische Stör in der Ostsee und in den Zuflüssen. Doch im letzten Jahrhundert machten Flussbarrieren den Stören die Wanderung zu ihren Laichgründen unmöglich. Hinzu kamen die Begradigung und Verschmutzung der Flüsse, die zur Zerstörung der Laichplätze führten. Ein dritter Faktor war die katastrophale Überfischung der adulten Fischbestände. All das führte zum Ende der Präsenz dieser Art im baltischen Raum.
Jetzt hat der Baltische Stör die Chance, in das Ostsee-Becken und das Odereinzugsgebiet zurückzukehren. Tausende junger Fische werden am 18. September im Rahmen der Veranstaltung „Gemeinsam für Flüsse“ in die Ina in Goleniów entlassen. Organisiert wird das Ereignis vom Rewilding Oder Delta (ROD) sowie dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin und dem Bezirksverband des Polnischen Anglerverbands in Szczecin (PZW). Begleitend dazu finden weitere Veranstaltungen statt, darunter eine Ausstellung, Expertengespräche und Präsentationen rund um den Stör (siehe detailliertes Programm unten).
Das Treffen bietet zudem die Gelegenheit, über die Renaturierung weiterer Flüsse zu sprechen: Wołczenica, Sławęcinka und Gowienica. ROD führt diese Maßnahmen im Rahmen des Programms Open Rivers durch.
GEMEINSAM FÜR FLÜSSE
Treffen zum Schutz der Flüsse im Oder Delta und zur Wiederansiedlung von Stören.
Datum: 18. September 2026
Ort: Goleniów, Polen
PROGRAMM
AUSSETZEN DER STÖRE
Nadrzeczna 8, Goleniów
9:30 Uhr Ankunft und Registrierung
10:00 Uhr Offizielle Eröffnung der Veranstaltung
11:00 Uhr Aussetzen der Störe im Ina Fluss
PRÄSENTATION UND DISKUSSION
Kulturzentrum Goleniów, ul. Słowackiego 1, Goleniów
12:00 Uhr: Kaffeepause und Imbiss
12:30 Uhr: Vorträge und Gespräche über lebenswerte Flüsse
PICKNICK „GEMEINSAM FÜR FLÜSSE“
Ab 15:00 Uhr im Kulturzentrum Goleniów
Stände, Workshops, Musik, Filmvorführungen und Ausstellungen
Für die ersten beiden Teile des Programms bitten wir um eine Voranmeldung hier!

Der Flusswächter
Der Stör ist ein enorm großer Fisch: Er wird bis zu 5 Meter lang und kann bis zu 400 kg wiegen. Bei solchen Ausmaßen lenkt er berechtigterweise die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeiten des Flussschutzes. Deshalb ist die Rückkehr des Störs mehr als nur die Wiederansiedlung einer weiteren Art.
Der Stör stellt hohe Ansprüche an seinen Lebensraum: Er benötigt unverbaute Flüsse mit natürlichen Schnellen, klaren und sauerstoffreichen Gewässern. Werden diese Bedingungen erfüllt, schafft dies automatisch geeignete Lebensräume für Dutzende weitere Fischarten und Wasserorganismen. Eben deshalb wird der Stör in der Wissenschaft als Schirmart bezeichnet.
„Indem wir den Stör schützen, schützen wir so viele Arten, dass er metaphorisch als Wächter des Flusses bezeichnet werden kann“, sagt Dr. Jan Krzystolik, Ichthyologe am IGB in Berlin.
Störe ernähren sich hauptsächlich von Organismen, die im Sediment am Flussgrund leben, darunter Vielborster, Krebstiere und Weichtiere. Bei der Nahrungsaufnahme wühlen sie sich buchstäblich durch den Grund und nehmen dabei große Mengen Sediment mit auf, was die Lebensbedingungen der gesamten benthischen Lebensgemeinschaft beeinflusst.
„Das ist weit mehr als eine einmalige Aussetzung von Jungfischen. Gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Binnengewässerökologie und Fischerei (IGB) in Berlin und der Stettiner Abteilung des Polnischen Anglerverbandes haben wir eine Partnerschaft aufgebaut, die eine echte Chance für die nachhaltige Rückkehr des Störs in das Odergebiet und das gesamte Ostseebecken bietet. In diesem Jahr setzen wir mehrere Tausend Fische aus, und im nächsten Jahr planen wir, über 20.000 freizulassen. Unser Ziel ist es, ein Programm zu entwickeln, das es uns ermöglicht, in den kommenden Jahren jährlich bis zu 100.000 Störe wieder anzusiedeln“, sagt Tomasz Pezold Knežević, Leiter des “Wilder Nature” Teams bei Rewilding Oder Delta. „Wenn uns das gelingt, wird Westpommern zu einem der wichtigsten Stör-Wiederansiedlungsgebiete Europas und zu einem Beispiel dafür, wie internationale Zusammenarbeit ganze Flussökosysteme wirksam wiederherstellen kann“, fügt er hinzu.
Als anadrome Wanderfischart verbindet der Stör Fluss und Meer. Denn obwohl er den Großteil seines Lebens in Meer- und Küstengewässern verbringt, wandert er zur Laichzeit weit flussaufwärts. Auf diese Weise transportiert er Nährstoffe zwischen marinen und fluvialen Ökosystemen.
“Die Rückkehr des Störs würde also die Wiederherstellung eines großen Konsumenten bedeuten, der über Jahrzehnte in diesem Ökosystem fehlte”, erläutert Dr. Krzystolik.
Der Wissenschaftler betont zudem, dass der Stör zu unserem Verbündeten im Kampf gegen bestimmte invasive Arten werden könnte, die durch menschliches Handeln in die Umwelt gelangt sind. So konkurriert er beispielsweise mit der Schwarzmund-Grundel um Nahrung und kann so deren Ausbreitung eindämmen.
“Auf diese Weise kann die Wiederansiedlung des Störs nicht nur dem Artenschutz dienen, sondern auch dazu beitragen, natürliche Prozesse in unseren Flüssen und Küstengewässern wiederherzustellen – Prozesse, die vor ihrer starken anthropogenen Umgestaltung dort abliefen”, sagt Dr. Krzystolik.
Und nicht zu vergessen: Ein Fluss, in dem Störe leben, ist ein gesunder Fluss – und das bedeutet auch Vorteile für den Menschen.
Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts schwamm der Baltische Stör in der Ostsee und in den Zuflüssen. Doch im letzten Jahrhundert machten Flussbarrieren den Stören die Wanderung zu ihren Laichgründen unmöglich. Hinzu kamen die Begradigung und Verschmutzung der Flüsse, die zur Zerstörung der Laichplätze führten. Ein dritter Faktor war die katastrophale Überfischung der adulten Fischbestände. All das führte zum Ende der Präsenz dieser Art im baltischen Raum.
Jetzt hat der Baltische Stör die Chance, in das Ostsee-Becken und das Odereinzugsgebiet zurückzukehren. Tausende junger Fische werden am 18. September im Rahmen der Veranstaltung „Gemeinsam für Flüsse“ in die Ina in Goleniów entlassen. Organisiert wird das Ereignis vom Rewilding Oder Delta (ROD) sowie dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin und dem Bezirksverband des Polnischen Anglerverbands in Szczecin (PZW). Begleitend dazu finden weitere Veranstaltungen statt, darunter eine Ausstellung, Expertengespräche und Präsentationen rund um den Stör (siehe detailliertes Programm unten).
Das Treffen bietet zudem die Gelegenheit, über die Renaturierung weiterer Flüsse zu sprechen: Wołczenica, Sławęcinka und Gowienica. ROD führt diese Maßnahmen im Rahmen des Programms Open Rivers durch.

Verpflichtung gegenüber dem Fluss und den kommenden Generationen
Warum werden die Störe gerade in der Ina ausgesetzt? Es geht nicht allein um die historische Präsenz dieser Art in der Ina an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.
“Die Ina gehört zu den am besten erhaltenen Flüssen Westpommerns. In den letzten Jahren hat sie dank des gemeinsamen Engagements vieler Partner schrittweise ihren natürlichen Charakter zurückgewonnen. Migrationsbarrieren werden beseitigt, natürliche Lebensräume wiederhergestellt und die Umweltqualität verbessert sich von Jahr zu Jahr. Sie könnte zu einem der wichtigsten Orte für die Wiederansiedlung der Störpopulation im Odereinzugsgebiet werden”, erklärt Pezold Knežević.
Die Fische, die am 18. September in die Ina ausgesetzt werden, wurden im Fischzucht- und Aufzuchtzentrum des Polnischen Anglerverbands (PZW) in Goleniów großgezogen, das seit 1962 ununterbrochen in Betrieb ist. Dank einer umfassenden Modernisierung des Zentrums im Jahr 2023 ist es möglich, bis zu 21 Fischarten in einer Menge von bis zu 60 Millionen verschiedenen Entwicklungsstadien pro Jahr zu züchten.
“Unser Zentrum nutzt direkt das saubere Wasser der Wiśniówka, einem Nebenfluss der Ina – ein entscheidender Faktor für das Stör-Restitutionsprojekt. Die jungen Störe werden von Beginn der Larvenaufzucht an ausschließlich mit natürlicher Nahrung gefüttert, sodass sie sich von Anfang an an die natürlichen Bedingungen anpassen, auf die sie nach ihrer Freilassung treffen. Das bietet ihnen die bestmögliche Schule des Überlebens“ – sagt Rafał Pender, Direktor des Büros des Bezirksverbands des Polnischen Anglerverbands in Szczecin. Er betont, dass die Angler im PZW seit Jahrzehnten beweisen, dass sie ebenfalls echte Flusswächter sind.
“Unser Bezirksverband führt konsequent die Restitution und Wiederansiedlung wertvoller Fischarten wie Lachs, Meerforelle und Seelaube durch und setzt sie in der Ina und ihren Nebenflüssen aus. Dank dieser systematischen Maßnahmen konnten wir in der Ina bereits vollständig stabile Populationen der Seelaube und Meerforelle wiederherstellen. Für den PZW-Bezirksverband Szczecin ist die Rückkehr des Störs ein weiterer, außerordentlich wichtiger Schritt im langjährigen Kampf um die vollständige Wiederbelebung des Ökosystems der Ina”, erklärt Pender.

Ein Nordamerikanischer Zuwanderer
Die Störlarven stammen aus Deutschland – dort fanden die Fortpflanzung, die Embryonalentwicklung und das Schlüpfen unter der Aufsicht von Expert:innen des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) sowie des Landesforschungsinstituts für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern in Gülzow-Prüzen statt. Das eigentliche Besatzmaterial für die Aufzucht geht jedoch auf die Flussbarsch-Population des Saint John River in Kanada zurück. Warum gerade von dort?
Der Baltische Stör ist eine andere Bezeichnung für den Atlantischen Stör, der ursprünglich ausschließlich in Nordamerika vorkam. Vor mehreren tausend Jahren überquerte er jedoch den Atlantik und besiedelte daraufhin die Ostsee sowie die in sie mündenden Flüsse.
“Aus genetischer Sicht handelt es sich um dieselbe Fischart, die vor etwa 4.000 bis 5.000 Jahren in die Ostsee gelangte. Wenn wir nun Störe aussetzen, wiederholen wir im Grunde nur einen Prozess, den diese Art bereits in ferner Vergangenheit vollzogen hat. Man kann uns daher nicht vorwerfen, eine fremde Art in die Ina einzubringen”, sagt Dr. Krzystolik.
Werden die Störe, die im September durch die Ina fließen und später in die Ostsee abwandern, jemals in diesen Fluss zurückkehren, um sich dort fortzupflanzen? Ein Teil von ihnen wird sterben, ein Teil wählt andere Flüsse zur Laichwanderung. Mit Sicherheit werden jedoch einige zurückkehren – allerdings nicht schnell. Weibchen aus dem Saint John River erreichen die Geschlechtsreife erst mit 27 bis 28 Jahren. Für die Ostsee-Population liegen noch keine Messungen vor, da bisher keine der in anderen Flüssen ausgesetzten Generationen zur Fortpflanzung zurückgekehrt ist. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass Männchen mit etwa 14 Jahren und Weibchen mit rund 20 Jahren geschlechtsreif werden.
“Das bedeutet konkret, dass die am 18. September freigelassenen Fische etwa in der Mitte dieses Jahrhunderts zurückkehren werden. Die Kinder, die an diesem Tag am Ufer der Ina stehen, werden dann bereits eigene Söhne und Töchter haben. Die Freilassung der Störe ist daher nicht nur ein Versprechen an den Fluss, sondern auch an die nächste Generation”, sagt Dr. Krzystolik.

Konsequente Renaturierung
Die Wiederansiedlung des Störs ist nicht die einzige Rewilding-Maßnahme, an der die Organisation Rewilding Oder Delta (ROD) derzeit beteiligt ist. Die Veranstaltung „Gemeinsam für Flüsse“ widmet sich ebenfalls der Renaturierung von drei Flüssen in der Region: der Wołczenica (ein Nebenfluss der Ina, der in die Dziwna mündet), der Sławęcinka (ebenfalls ein Nebenfluss der Ina) sowie der Gowienica (die ins Stettiner Haff mündet).
Diese Arbeiten werden durch die Unterstützung des Open Rivers Programme ermöglicht – einem internationalen Förderprogramm, das die Wiederherstellung des natürlichen Flussverlaufs und der ökologischen Durchgängigkeit europäischer Flüsse zum Ziel hat. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem die Finanzierung des Rückbaus hydrotechnischer Barrieren wie kleiner Staudämme, Schwellen, Wehre oder Sohlgleiten.
Analysen haben gezeigt, dass sich in der Wołczenica mehr als zehn dieser Bauwerke befinden. Zwei davon wurden als besonders dringlich für den Rückbau identifiziert. In beiden Fällen wird der Prozess im Abriss alter Betonkonstruktionen bestehen, die den Fluss durchqueren. An ihre Stelle tritt ein natürliches, kiesiges Flussbett. Diese Lösung verbessert nicht nur den Wasserabfluss, sondern schafft auch bessere Lebensräume für Pflanzen und Fische.
Die Beseitigung der beiden Barrieren in der Wołczenica ermöglicht es Wanderfischarten wie der Meerforelle und dem Flussneunauge, wieder ihre historischen Laichplätze zu erreichen. Die Wołczenica ist zudem einer der letzten Flüsse in Polen, in denen Larven des Flussneunauges ganzjährig vorkommen. Deshalb ist die Erhaltung ihrer ökologischen Durchgängigkeit von besonderer Bedeutung. Geplant ist die Wiederherstellung der Durchgängigkeit auf 37 Kilometern der Wołczenica.
An der Sławęcinka wird durch den Rückbau einer dritten Barriere ein 10 Kilometer langer Abschnitt mit kiesigem Flussbett und reichlicher Unterwasservegetation als idealer Laich- und Aufwuchshabitat für Fische freigelegt.
Auf der Gowienica sollen vier weitere Barrieren verschwinden – ROD hat hierfür einen Vorbereitungszuschuss erhalten, um die Maßnahmen zu planen. Nach ihrem Rückbau werden 69 Kilometer des Oberlaufs der Gowienica wieder miteinander verbunden sein. Dadurch entstehen neue Laichplätze, und die durch Fragmentierung degradierten Lebensräume erholen sich.
Beim Rewilding der Flüsse im Gebiet des Stettiner Haffs geht es jedoch nicht nur um die Verbesserung der Bedingungen für Wanderfische.
“Die Renaturierung macht diese Ökosysteme widerstandsfähiger und den gesamten Raum resilienter gegenüber den Folgen des Klimawandels. Denn schon kleine, aber präzise geplante Maßnahmen dieser Art können erhebliche Wirkungen entfalten”, fasst Peter Torkler, Geschäftsführer von Rewilding Oder Delta, zusammen.

Kontakt:
Ilona Wenderlich: +48 609 184 940
Alana Zubritz: +49 1573 4057 574
Alana Zubritz: +49 1573 4057 574
Mitveranstalter:
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Bezirksverband des Polnischen Anglerverbands in Szczecin
Das Vorhaben wird gefördert durch:
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